Sonntag, 18. März 2018

Warum tu ich mir das eigentlich an...?




Genau diese Frage ist mir heute mehrmals durch den Kopf gegangen.
Eigentlich war seit langem wieder mal ein längerer Lauf im Kobernaußerwald geplant, aber bei den eisigen Temperaturen und dem noch viel eisigeren Ostwind, hatte ich dann mal so gar keine Lust auf neue unbekannte Wege.
Laufen wollte ich irgendwie trotzdem, zögerte aber mit dem Starten. Es sah einfach so grauslig aus draußen.
Meine Frau fragte mich schon, ob ich jetzt wirklich lieber rausgehe bei dem Wetter, als mit ihr und unserem Sohnemann am Frühstückstisch zu sitzen? Ich hoffe mal das war mehr zum Ärgern gedacht als ernst gemeint. Aber eigentlich hat sie ja recht, wieso tu ich mir das an bei diesem Wetter?

Sind es nur die vorgenommenen Wochenkilometer, die ich unbedingt schaffen "muss"?
Ist es der Kampf gegen den inneren Schweinehund, den ich gewinnen will?
Ist es die ausgelassene Trainingseinheit, die ein schlechtes Gewissen bereitet?
Oder ist es doch vielleicht der Moment wenn einem die Autofahrer mittleidig belächeln, man aber genau weiß, dass man eigentlich sie belächeln sollte, die wissen ja nicht wie wunderbar es sein kann bei Kälte schön warmgelaufen unterwegs zu sein?
Oder doch erst der Moment, wenn die Finger dann endlich nach 45 Minuten Laufen wieder auftauen und nicht mehr schmerzen, wenn man dann mitten im Wald innehält, da man den Moment der plötzlichen Wärme, Stille und Freude an der Natur genießen muss?
Oder wenn die nervigen hartgefrohrenen Traktorspuren plötzlich nicht mehr stören, sondern zur willkommenen Challenge werden?
Oder wenn aus dem anstrengenden Waldlaufen plötzlich ein herrliches Waldcruisen wird?
Oder dann, wenn man genau weiß, heute trifft man auf niemanden, abgesehen von den drei Rehen, dem Eichkatzl und dem Osterhasen und der Wald gehört einem vollkommen alleine?
Oder der Moment, wenn man vom Wald wieder auf die Straße kommt, der Wind einem mit 30 Sachen in den Rücken bläst, die Strecke leicht bergab führt und man nicht mehr nach Hause läuft, sonder nach Hause fliegt?
Oder vielleicht der Moment, wenn 50cm neben einem ein Kleintransporter vorbei kracht und Rollsplitt ins Gesicht schleudert? Naja, der Moment vielleicht gerade nicht...
Oder ist es weil man genau weiß, dass nach einem miesen Lauf wie gestern (voller Magen, müder Körper, noch müderer Geist) zu 99% ein guter oder zumindest besserer Lauf folgt?
Oder ist es einfach nur der Moment, wenn man nach 21 chilligen (oder genauer bei -15° windchilligen ) Kilometern wieder zurück ist, mit dem Wissen, alles (bis auf die zu dünnen Handschuhe vielleicht) richtig gemacht zu haben und man sich jetzt riesig auf die Wärme einer heißen Dusche freut?

Vermutlich einfach von allem etwas...

...darum wird gelaufen, bei jedem Wetter, das ganze Jahr, immer weiter, kein Ende in Sicht...

bei trostlosem Wetter im Kampf gegen den eiskalten Ostwind

Innehalten








Kommentare:

  1. Schön hast du das beschrieben, so positiv. Das! macht Laufen aus. Ich sollte mal in mich hineinhorchen, ob ich meinem heutigen unangenehmen ersten Hitzelauf nicht doch auch noch was abgewinne.

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    1. Danke! Mal in sich hineinhören schadet sicher niemanden.
      Und dad mit der Hitze verwundert nicht, läufst du doch vom einen (Frozen Otter) ins andere Extrem.
      Gruß Andi

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  2. Moin Andi,

    Du hast Dir die Antworten zum Schluß ja schon selber gegeben :-) Das Laufen spricht immer wieder für sich, so lange die Bedingungen auszuhalten sind. Zu dünne Handschuhe sind aber fies und über den Wind mit 30 Sachen mußte ich angesichts der vorgestrigen und gestrigen Sturmlage hier an der Küste schon etwas schmunzeln.

    Ansonsten kann ich nur sagen: Well done! Und so ein Frühstückstisch läuft ja nicht weg :-)

    VGV

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    1. Ja klar, mit den Bedingungen in Sylt ist das natürlich nicht zu vergleichen. Aber da es Anfang der Woche schon so schön warm war, ist der Wetterumschwung nun um so unangenehmer.
      Grüße in den Norden!

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  3. Servus Andi!
    Super geschrieben! Du hast die Sache auf den Punkt gebracht!
    Sehr gut, dass es jetzt wieder so gut läuft bei der besonders nach der Sache mit dem Knie....
    Steine werfende Lkws, angefrorene Finger, zerrissene Hosen, usw... gehören einfach auch zum Abenteuer (obwohl den LKW kann man sich echt sparen...)

    Gruß

    Herbert

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    1. Absolut, das gehört alles dazu, ansonsten könnten wir eh aufs Laufband gehen!
      Ja, ist schon toll, dass es jetzt wieder relativ gut läuft, fast ein Jahr ohne richtig laufen war schon schlimm!

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