Mittwoch, 2. Juli 2014

Winterliche Sommertour auf den Hochkalter

Der Hochkalter mit seinen 2607m Höhe liegt im Herzen des Berchtesgadener Nationalparks, westlich vom Watzmann.
Doch im Gegensatz zum Watzmann ist der Trubel hier bei weitem nicht so groß und bergsteigerisch steht er ihm auch sicherlich um nichts nach. Wenn man mal von der klassischen Watzmannüberschreitung ausgeht, würde ich den Hochkalter sogar noch eine Spur schwieriger einschätzen, da hier auf jegliche Seilsicherungen und Verkrüppelungen in Form von Eisentritten und Seilsicherungen verzichtet wurde!
2011 war ich nach einem Abruch im ersten Versuch wegen zu viel Schnee dann das erste mal auf diesem Gipfel. Gestern gings es dann gemeinsam mit meinem Papa zum zweiten mal rauf, um ihm, einen meiner absoluten Lieblingsgipfel, zu zeigen.


Am Wochenende und am Montag war schlechtes Wetter gemeldet, aber am Dienstag ein Zwischenhoch vorhergesagt, bevor am Mittwoch das nächste Tief über die Alpen zieht. Dieses Zwischenhoch wollten wir nutzen und schon beim Losfahren um 3:15 in der Früh zeigte sich ein sternenklarer Himmel.
Gestartet sind wir dann um viertel nach fünf am Parkpaltz Holzlagerplatz.


Zu Beginn geht es etwas langweilig auf einem breiten Forstweg durch den Wald hoch zur Schärtenalm. Diese erreichten wir dann nach etwas mehr als einer Stunde.


Kurz weiter auf der Forststraße bis es dann über den Wanderweg hoch zur Blaueishütte geht.
An der Hütte angekommen wird man erst einmal von einem gigantischen Bergpanorama überwältigt.


Doch allzulange hielten wir uns hier nicht auf, denn im Frühstücksraum der Hütte schien einiges los zu sein. Doch wie sich später herausstellte, waren die meisten Gäste wohl zum Klettern unterwegs.

Rückblick zur schön gelegenen Blaueishütte


Weiter gings nach Westen haltend durch eine Schuttrinne hoch zum "Schönen Fleck".
Doch bevor man dort dahinauf kommt wartet hier die erste leichte Kletterei.
Eine schön plattige Wand ca. im ersten Schwierigkeitsgrad. Mit sehr vielen Tritt- und Griffmöglichkeiten. Nicht schwierig aber sehr schön geht es ca. 40m die Wand hoch.





Am "schönen Fleck" angelangt, der seinem Namen alle Ehre macht, mit Blick auf den weiteren Wegverlauf.
Hier auf einer Höhe von knapp über 2000m herrscht noch bestes Sommerwetter.


Es wird etwas blockiger und immer wieder gibt es kurze leichte Kraxelstellen...

... bis einem von diesem Wandl der weitere Weg versperrt wird.

 Dies ist die Schlüsselstelle der Tour mit etwa "II" nach UIAA.
 Allerdings mit sehr guten Griffen und Rippen und wirklich nur sehr wenig lockerem Gestein.
Ganz oben befindet sich auch ein geklebter Ring, mit dem ein unsicherer Kletterer auch gut nachgesichert werden könnte. Allerdings sollte man den zweiten Grad schon sicher beherrschen, da auch später immer wieder ein paar Kletterstellen kommen und dies hier die einizige Stelle ist die gesichert werden kann.


Zwischendurch ergeben sich immer wieder schöne Fotomotive wie dieses Wolkenloch mit der Schärtenspitze, Klettereldorado und Hausberg der Blaueishütte, und dem Göll im Hintergrund.






Ab hier wird es dann schön langsam winterlicher und man geht immer häufiger über Schnee.



Der Rotpalfen (2367m) wird links liegen gelassen.
Auch hier führen über die steile Ostwand einige Kletterrouten hoch.


Es wird immer winterlicher und die Schneedecke beginnt sich zu schließen. Es geht über meist hart gefrohrenen Neuschnee, der die letzten beiden Tage gefallen ist. Immer wieder sind auch leicht vereiste Stellen dabei. Es gilt konzentriert zu bleiben!


Glücklicher Weise haben uns im Aufstieg zwei andere Bergsteiger überholt, an deren Spuren wir uns gut orientieren können, denn nicht immer sind die Markierungen sofort zu erkennen.

Dem Wintereinbruch trotzend...


Unterwges zum Kleinkalter.
Direkt am Grat ist meist am wenigsten Schnee. Links sieht man eine weitere Felsstufe, die es zu überwinden gilt.

Blick Richtung Blaueisspitze Westwand...


...und zum Hochkaltergipfel



weit ist´s noch...


Die nächste kurze Kraxelei.
Hier ist schon etwas Vorsicht geboten, liet doch schon auf vielen Tritten Schnee und Eis
Abrustchen wäre an den meisten Stellen keine gute Idee!


Papa am Kleinkalter (2513m)


 Der Grat zwischen Klein- und Hochkalter


Tiefblick auf den Blaueisgletscher.
Die Tour auf den Hochkalter über den Gletscher steht auch noch auf meiner Todo-Liste. Allerdings ist dies schon noch um ein Stück schwieriger. Natürlich nur mit Gletscherausrüstung über bis zu 40° steiles Eis und mit Kletterei im 2.-3. Grat auf nicht markierter Route. Wird also auch noch eine Weile auf meiner Liste stehen bleiben...mal hoffen dass der Gletscher auch noch lange genug existiert für diese Tour...


winterlich schön...


Immer mehr Schneeauflage



Ein letzer Vorgipfel ist noch zu erklimmen, hinten ist schon das Gipfekreuz zu sehen.


Und schon ist man am letzten Gipfelaufschwung.
Vorsicht ist geboten!





Geschafft, nach etwas mehr als fünf einhalb Stunden.
Berg Heil!



Leider war der Gipfel heute total in Wolken gehüllt und gab keine Rundumblicke frei. Also sind wir auch nicht lange geblieben.
So, nun stand die Frage des Abstiegs an. Entweder wie geplant durchs Ofental absteigen oder wieder den Aufstiegsweg zurück.
Grundsätzlich ist es übers Ofental einfacher, allerdings sah es von oben ziemlich stark verschneit aus und aus meinem letzen Abstieg wusste ich noch dass es hier ziemlich viel lockers Gestein gibt. Außerdem waren noch keine Spuren hinunter.
Andererseits waren im Aufstieg doch einige Stellen dabei, die beim Bergabklettern doch ziemlich heikel werden könnten.
Das Bauchgefühl sagte Ofental, also runter über die Westseite.
Hier lag dann schon noch einiges mehr an Schnee, aber nach den ersten Metern bergab wurde klar, dass dies die richtige Entscheidung war.



Wenn es auch teilweise ziemlich rutschig war im nassen, sulzigen Schnee, so sind hier nie wirklich absturzgefährliche Stellen dabei.

Im Ofental angekommen konnten wir dann super über die Altschneefelder abfahren. Und so gings ziemlich schnell wieder bis runter zur ersten Vegetation.



Rückblick durchs Ofental...



...und Blick zur gegenüberliegenden Reiteralm mit dem von hier aus mächtig wirkenden Stadelhorn (2286m) auf dem ich vor zwei Wochen oben stand, den Mühlsturzhörnern und den Grundübelhörnern.


Krasser Unterschied. Eben noch in Eis und Fels unterwegs und auf einmal gehts durch blühende Bergwiesen.


Für den weiteren Weg haben wir uns an Stelle des direkten Abstiegs für den Weg der zur Ofentaldiensthütte führt entschieden. Dieser quert den ganzen Nordostrücken in einer Höhe von ca. 1300m bis rüber zum Forstweg der uns in der Früh auf die Schärtenalm führte.
Allerdings ist dieser Weg nur wenig begangen und schon etwas verwachsen, dafür ein echtes Highlight, bei dem man mit großer Wahrscheindlichkeit ganz alleine unterwegs ist.
Bei Regen allerdings mit Vorsicht zu genießen, da der Weg steile Hänge quert und oft über Holzbretter und Baumstämme führt welche dann sehr rutschig werden.
Irgendwann unterwegs kommt man dann zu einem Windwurf. Hier muss man unbedingt an der Weggabelung den rechten Weg nehmen, denn als ich hier vor drei Jahren gerade aus weiter bin, hab ich mich mindestens eine Stunde über und unter Baumstämme durchgekämpft, bis ich dann doch wieder auf den richtigen Weg zurück gefunden habe.

Weggabelung vor einer markanten Baumwurzel:

 Bevor es dann endlich an den nun doch schon sehnlich erwarteten Abstieg in Tal geht, gehts nochmal über eine mit Seilen versicherte Stelle hinweg.


Nach 11 Stunden 15min Gehzeit und 13 Stunden Gesamtzeit ging dann eine absolut geniale Runde zu Ende.
Für den Aufstieg sowohl auch für den Abstieg haben wir auf Grund der Schneelage jeweils geschätzt eine halbe bis dreiviiertel Stunde länger gebraucht, als das bei trockenen Verhältnissen der Fall wäre.
Zurückgelegte Höhenmeter inklusive Gegenanstiege bis zum Gipfel: 1915.
Zusätzliche Höhenmeter beim Alternativweg über die Ofentaldiensthütte: ca. 150
Gesamt 2085hm
Gesamtstrecke: sehr weit...(weiß ich nicht genau, habe keinen GPS Track aufgezeichnet)

Und auch dieses mal hat sich gezeigt, wieso der Hochkalter mein Lieblingsberg ist, obwohl es diesmal wohl um einen ganzen Grad schwieriger war. Doch man will sich ja weiterentwickeln und da gehören Herausvorderungen dazu :-)
Allerdings muss ich auch sagen, dass ich ohne die beiden Bergsteiger vor uns oder gar ganz alleine wahrscheindlich vorzeitig abgebrochen hätte, ist es doch schon noch mal was anderes ganz alleine bei solchen Bedingungen auf über 2500m unterwegs zu sein.
Danke Bergsteiger vor uns fürs Spuren :-)

BERG HEIL

Kommentare:

  1. Geniale Tour, tolle Bilder...vielen Dank!

    War erst einmal am Hochkalter aber bin von diesem Berg auch ziemlich begeistert. Mal schauen ob ich dieses Jahr mal wieder vorbei schaue. Will auch mal wieder zum Watzmann und zum Göll...aber zum Glück läuft ja nichts weg.
    Mit dem Wetter habt ihr ja echt ein perfektes Fenster erwischt (vom Gipfel mal abgesehen).
    Schnee hats ja noch einiges da hinten drin. Hätte ich nicht gedacht. Zeigt, dass der Winter zwar mild war, aber die Schneemenge und gerade der kurze Einbruch im Mai/Juni nochmal ein bisschen was gebracht hat.

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  2. Hi Steve!
    Herzlich Willkommen auf meinem Blog!
    Ja war wirklich genial!
    Stimmt, Wetter hat wirklich gut gepasst. Ich hab leider etwas weiter zu den Bergen als du, da muss man schon genau aufs Wetter schaun. Ist etwas zu weit um mal eben zu schaun wie die Verhältnisse am Berg sind...Was den Schnee betrifft lags aber eher am Wintereinbruch, ansonsten denke ich wären die Wege schon alle schneefrei gewesen.
    Am Göll war ich noch gar nicht, sollte sich aber heuer auch ausgehen.
    Watzmann vielleicht in zwei Wochen...und der "kleine" steht auch noch auf meiner ziemlich langen Wunschliste. Wird sich wohl nicht alles ausgehen heuer. Aber man gibt sich ja Mühe :-)
    Grüße nach Reichenhall
    Andi

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  3. Hallo Andi,
    ich wohne ganz in Deiner Nähe und bin über den Blog von Steve auf Deine Seite gekommen. Ich gehe selber regelmäßig in die Berge und freue mich natürlich über so gute Berichte wie jetzt Deinen vom Hochkalter. Das letzte und erste Mal war ich im August 2003 oben. Gleiche Tour wie Du und Dein Papa. Nur an diese Abzweigung zur Ofentaldiensthütte kann ich mich nicht erinnern. Ich denke da bin ich direkt abgestiegen. Wäre aber sicher eine reizvolle Variante. Ist diese Abzweigung gekennzeichnet? Ich werde so Ende Juli/Anfang August einen Versuch starten. Bis dahin wird es ja hoffentlich keinen Wintereinbruch mehr geben. Im schneefreien und trockenen Zustand ist die Tour sicher genußvoller und stressfreier zu bewältigen. lg Robert

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  4. Hallo Robert! Willkommen auf meinem Blog!
    Direkt an der Abzweigung ist ein Wegweiser. Allerdings nicht zur Ofentaldiensthütte sondern nur ins Tal und auf den Hochkalter rauf. Aber genau bei diesem Wegweiser ist eine Kreuzung, die in vier Richtungen geht, wie auch auf den Karten eingezeichnet. Wenn man darauf achtet eigentlich leicht zu finden! Ungefähr in 1350m Höhe!
    Die Tour war übrigens trotzdem ein voller Genuss! :-)
    Gruß Andi

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    1. Hallo Andi, habe gestern die gleiche Tour gemacht. Allerdings ohne Schnee. Hihi.
      Dank Deiner Hinweise konnte ich auch den Jägersteig finden und bei der besagten Windwurfstelle auch den richtigen Weg nehmen. Dieser Steig ist wirklich sehr einsam aber top genial. Auch wenn man sich manchmal denkt, der hört nicht auf.
      Kurz zu meinen Gehzeiten. Bis Blaueishütte 59min. Von der Hütte bis zum Gipfel 90min. Gesamt für den Aufstieg also 21/2 Stunden. Vom Gipfel bis zum Auto zurück in 2h und 14min. Da muß man es aber schon ordentlich krachen lassen. Denn wie gesagt dieser Rückweg hat es in sich und zieht sich dahin. Eine super Tour die ich in den nächsten Tagen wohl noch in den Knochen spüren werde. Leider war genau zu der Zeit wo ich am Gipfel war Nebel und so konnte ich von der super Aussicht nicht viel mitnehmen.
      Gruß Robert

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    2. Schön dass Dir meine Wegbeschreibung geholfen hat!
      Die ganze Runde unter 5 Stunden! Alle Achtung, dass ist mal eine Ansage. Das war dann aber wohl im Laufschritt?
      Ich denke unter 6 Stunden würde ich diese Runde nicht schaffen. Vielleicht muss ich das mal ausprobieren...
      Gruß Andi

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